Pina Schubert

    5 BEITRÄGE

    Sinn legitimiert

    Für die Mitglieder der Unternehmung steht außer Frage, dass ihre Bildungsarbeit sinnvoll und notwendig ist. Und auch, dass sie inhaltlich einen großen Bezug zur Corona-Krise hat und dass sie nicht trotz, sondern gerade wegen der Pandemie wichtig ist. Die Bearbeitung der Krisenerscheinungen selbst wird als gelebte gesellschaftliche Verantwortung zur strategischen Unternehmenspolitik, zur normativen Daseinsberechtigung der Unternehmung, wie sie sich exemplarisch in der Entwicklung von einem Bildungs-Modul zum Thema ›Pandemien und Digitalisierung‹ dokumentiert. Die massiven und nun auch in Deutschland spürbaren Auswirkungen der Pandemie für zahlreiche Bereiche der gesellschaftlichen Versorgung legitimieren die Unternehmung. Der Drang, an deren Überwindung zu arbeiten, ist der Sinn, an welchem die Geschäfts- und Arbeitsprozesse orientiert sind.

    Es bedarf Achtsamkeit

    Bei der Betrachtung des Gelingens und den neuen bzw. auch weiterentwickelten Praktiken des Kollektivs müssen zwei Dimensionen ins Auge gefasst werden: einerseits die nach außen, also die Dimension der gelingenden Übertragung der Bildungsarbeit in einen digitalen oder hybriden Raum, andererseits aber auch die nach innen, also den Umgang im Kollektiv selbst, die Weiterentwicklung und Anpassung der Zusammenarbeit, Kommunikation und die Praktiken des solidarischen Wirtschaftens etc. 

    Praxis transformiert

    Die Um- und Neugestaltungen der Organisationen in den Abläufen wie den Strategien sind auf die Fähigkeit zurückzuführen, Veränderungen zulassen zu können. Mit einer großen Offenheit bezüglich der veränderten Handlungs- und Wirkungsbedingungen beschreibt Evelyn Linde die Reaktion ihres Kollektivs. Sie wurde begünstigt durch das kurze Bestehen und den andauernden Findungsprozess der Unternehmung, hängt also damit zusammen, dass nur wenige Pfadabhängigkeiten im Zuge der Institutionalisierung aufgebaut wurden. Entscheidend war die reflexive und partizipative Konstitution der Unternehmung.

    Es bedarf Achtsamkeit

    Mein Forschungspartner war das F3_kollektiv, das im Jahr 2019 gegründet wurde und mittlerweile ein gemeinnütziger, eingetragener Verein ist, der sich insbesondere dem Themenkomplex der Digitalisierung aus einer machtkritischen Perspektive widmet. Als noch ausgesprochen junge Organisation in der politischen Bildungsarbeit, die sich auch weiterhin im Aufbau befindet, bezieht sie ihr Motto nicht lediglich auf ihre Arbeit mit jungen Menschen, sondern ebenso auf die eigene Arbeit in und an ihren Kollektivstrukturen: »bilden, suchen, verändern – und dieses Bilden, Suchen, Verändern beziehen wir auf unsere Haltung, unsere Haltung in der Bildungsarbeit, aber auch auf unser Kollektiv« (Interview F3_kollektiv). Regelmäßig und gemeinsam auf die eigene Tätigkeit zu reflektieren, auch in Bezug auf die Machtstrukturen innerhalb des Teams, ist eine besondere und zugleich selbstverständliche Praxis des Kollektivs. 

    Gesellschaft neu lernen

    Politische Bildungsarbeit ist heute und wird in Zukunft wichtiger denn je. Wir leben in einer Zeit multipler Krisen der Gesellschaft, in welcher es vor allen Dingen um eine Herausforderung geht: wir müssen lernen, anders beisammen und miteinander zu sein. Vereine und Kollektive, die in verschiedentlicher Form Bildungsarbeit leisten, tragen dazu bei. Inmitten von Krisen gestaltungsfähig zu werden, ist die Grundlage und Legitimation ihrer Arbeit. Für sie spielt politische Bildung, beziehungsweise Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) »eine Schlüsselrolle in der gesellschaftlichen Transformation« (VENRO 2020, S. 1).
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    Wiewohl das Narrativ der Sachzwänge deutliche Spuren in der gesellschaftlichen Organisation der Versorgung mit Kunst und Kultur hinterlassen hat, handelt die Geschichte des Gelingens von OKA nicht von Anpassung oder Einpassung, sondern von reflektierter Tätigkeit. Die eigenen Arbeits- und Geschäftsprozesse reflexiv zu stellen, mitunter gar das Geschäftsmodell zu reformulieren, verweist auf grundlegende Fähigkeiten zur Reflexion und Reflexivität. Trotz der finanziell herausfordernden Situation des Clubs während der Corona-Pandemie, war die veränderte Praxis reflektiert und an einem Sinn orientiert. So wurden beispielsweise konsumistische Konzepte zur Finanzierung verworfen und kategorisch ausgeschlossen.