Florian Wagner

    5 BEITRÄGE

    Das transformative Potential des Freudenbergs

    Die Einhaltung von Hygienemaßnahmen zur Pandemie- Eindämmung wurde nicht kurzerhand zur individuellen Verantwortung erklärt. Die Verantwortungsgemeinschaft, die am Schloss Freudenberg als solidarische Praxis entstand, internalisierte und vergemeinschaftete die Vorsorge im Wissen um den geteilten Sinn, der die Akteur*innen verband. Katharina Schenk hat mir erzählt, wie sie jeden Tag um 12 Uhr auf einen Stuhl gestiegen ist und einen Monolog gehalten hat. Sie hat den Besucher*innen vermitteln wollen, was dieser Ort bedeutet und welche Rolle sie hier einnehmen können.

    Das Erfolgsrezept vom Freudenberg

    Eine der wichtigsten Bedingungen ist die Gemeinschaft der Unternehmung, die als geteilter Bezugspunkt trägt und hält, also Sicherheit und Orientierung stiftet, was nicht nur formal im Sinne eines Anstellungsverhältnisses gemeint ist, sondern vielmehr auf einer empathischen Ebene als Tätigkeitsgemeinschaft, die durch Anteilnahme, Achtsamkeit und gegenseitigen Respekt geprägt ist.

    Keine Zeit für Resignation

    Die Geschichte über die Ankunft der Pandemie am Freudenberg erzählt Katharina Schenk weder als ordnungspolitische Intervention noch als Schicksalsschlag, sondern als die interne Verständigung über die Deutung der Krise.

    Full Stop.

    Die Corona-Pandemie intervenierte abrupt in die Praktiken, Prozesse und etablierten Strukturen, die sich seit der Gründung vor bald drei Jahrzehnten am Schloss Freudenberg eingespielt hatten. Bereits Ende Februar 2020 wurde die Krise am Freudenberg relevant. Die erste Ankündigung einer nahenden Pandemie veränderte die Besucher*innen, die »plötzlich ganz andere Fragen und Hemmungen und Bedenken und Interessen« (Interview Schenk) mitbrachten. Veränderungen im Umfeld einerseits wahrnehmen, andererseits ernstnehmen zu können, sind wichtige Fähigkeiten für das Gelingen gewesen. Die Einführung der empfohlenen Hygienemaßnahmen im Betrieb durch das Team war eine erste Reaktion auf die unsichere Situation. Es tauchten viele Fragen auf, auf die es noch keine Antworten gab: neues Wissen über die gesundheitlichen Risiken und Möglichkeiten von Schutz wurde erforderlich, Vorschriften änderten sich in kurzem Takt, Planung wurde zunehmend unmöglich. Der Beginn des ersten sogenannten Lockdowns bedeutete schließlich eine Zäsur. Die Institution musste komplett geschlossen werden.

    Das Schloss Freudenberg

    Eine besondere Geschichte des Gelingens erzählte mir Katharina Schenk über die Krise am Schloss Freudenberg, der Unternehmung, die sie erst wenige Monate vor Beginn der Corona-Pandemie als Geschäftsführerin von ihren Eltern und Gründer*innen übernommen hatte. Für sie war der große Stillstand während des ersten sogenannten Lockdowns eine Gelegenheit, im Familienbetrieb, der eine Mischung aus Bildungs-, Begegnungs- und Erfahrungsort ist, neue Arbeits- wie Geschäftsprozesse zu erproben sowie tradierte Strukturen zu reflektieren und diese erforderlichenfalls zu verändern.
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