Essays

    Die Geflüchtetenhilfe in der Dauerkrise

    Die an Gelassenheit grenzende Art und Weise, mit welcher den pandemiebedingten Einschränkungen gestalterisch begegnet wurde, ist auf Erfahrungen und Könnerschaften zurückzuführen, die in der Organisation bereits angelegt waren. Anders verhält es sich für viele Menschen in Deutschland, die im Moment merken, dass sie ihre Arbeit nicht mehr oder nur noch ganz anders als gedacht durchführen können und dass ihnen eine dynamische Reaktion auf diese Situation mal mehr, häufig weniger möglich ist. Im Feld der humanitären Hilfe ist es nichts Neues, kreativ nach Wegen zu suchen, um überhaupt tätig werden zu können. Findigkeit ist ihr business-as-usual. In Bosnien beispielsweise sind aus diversen Gründen die dort tätigen NGOs nicht einmal registriert. Ihr Einsatz ist häufig nur so möglich, was dazu führt, dass sie zusätzliche Probleme haben, »überhaupt ihre Arbeit zu leisten« (Interview WPA).

    Die Geflüchtetenhilfe besonders betroffen

    Das Corona-Virus zeigt den sogenannten liberalen Demokratien ein Spektrum an Lernprozessen auf, die dringend notwendig sind. Während die Pandemie uns die Sehnsucht lehrt nach einer sicheren und souveränen Versorgung mit alledem, was zu einem gelingenden Leben dazugehört, ist und bleibt eben diese Versorgung vielen Menschen auf diesem Planeten verwehrt. Dafür braucht es keine Pandemie. Der vermeintliche Normalzustand, in dem wir ›vor Corona‹ lebten, war bereits (eine) Krise. Gewiss: Mannigfaltig sind die Krisen unserer Gesellschaft. Manche geraten als solche in das öffentliche Bewusstsein, manche werden sogar dementsprechend bearbeitet, die meisten fallen jedoch unter den Tisch. Im Folgenden möchte ich eine Krise in den Blick nehmen, die zwar als solche bezeichnet wird, die aber nicht zu einer entsprechenden Behandlung der Thematik geführt hat und nach wie vor nicht führt: die sogenannte ›Flüchtlingskrise‹. 

    Wie wollen wir wirtschaften?

    Unternehmen in Verantwortungseigentum konnten Lösungen in der Krise finden, um keine partnerschaftlichen Beziehungen aufzugeben oder Mitarbeitende entlassen zu müssen. Sie konnten und durften diese Entscheidungen treffen, weil es ihnen einerseits rechtlich möglich war, unabhängige und nachhaltige Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen. Anderseits ermöglichten vertrauensvolle Beziehungen sowie explizite und implizite Zielsetzungen im Unternehmen, Lösungen zu imaginieren und umzusetzen, die nicht auf die Sicherung oder Steigerung von Gewinnen abzielten. Doch birgt diese Geschichte des Gelingens das Potenzial, die heutige Wirtschaft zu transformieren? 

    Was Purpose-Unternehmen befähigt

    Befähigung durch Unabhängigkeit, Haltung und Vertrauen. Drei miteinander zusammenhängende Fähigkeiten ermöglichen es Purpose-Unternehmen, in einer Krise souverän zu gestalten und sich dynamisch dafür zu befähigen. Sie können je nach Organisation verschiedentlich ausgeprägt sein und ausgelebt werden. Dennoch sind sie in all den Unternehmen in Verantwortungseigentum angelegt. Die erste ist offensichtlich und an ihren institutionellen Rahmen geknüpft: die Fähigkeit, unabhängige Entscheidungen zu treffen. Die anderen zwei ergeben sich aus der Purpose-Kultur: die Fähigkeiten, Haltung zu zeigen und zu vertrauen.

    Mit Weitsicht Verantwortung übernehmen

    In der Corona-Pandemie brachen für viele Unternehmen die Einnahmen sowie die Möglichkeiten der Produktion und des Handels weg. Sie reagierten mit Kostenreduzierungen: Mitarbeitende wurden entlassen oder mussten in Kurzarbeit gehen, Unternehmen mussten schließen und ihre Aktivitäten einstellen oder Aufträge und Bestellungen stornieren. Purpose-Unternehmen fanden hingegen Wege, auch in der Krise handlungsfähig zu bleiben. Wie reagierten sie auf die Pandemie? Welche Praktiken konnten neu entwickelt werden oder stellten sich als besonders resilient heraus? 
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