Essays

    Wie Kultur unternehmen?

    Das Gelingen dieser Praxis ist im Besonderen auf die Arbeit im Kollektiv zurückzuführen. Gemeinsam an den Ideen zu arbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen im Arbeitsprozess, erfordert nicht nur eine offene Kommunikation, sondern auch Fähigkeiten des Verständigens und eine tolerante Fehlerkultur. Für Wiete Sommer erzeugte dies einen Flow, der sie durch das Projekt getragen und ihr gezeigt hat, dass sie nicht mehr anders arbeiten möchte. Auch die bereits zuvor gesammelten Erfahrungen der einzelnen Akteur*innen waren essenziell für die gemeinsame Arbeit.

    Virtuelle Räume der Begegnung

    Über die Umnutzung in eher konventionellen Formaten hinaus wurden auch grundlegend neue Wege in der digitalen Versorgung mit Kunst und Kultur angedacht, erprobt und realisiert: »Und daher ist dann zum Beispiel auch die Idee entstanden, dass Josh den virtuellen Raum sich fördern lassen hat über den ›Fonds Soziokultur‹. Und dieser virtuelle Raum ist jetzt ein Ort der Begegnung, an dem sich die Personen treffen können. [...] Es werden Sets aufgenommen, die werden dann über den Screen abgespielt und die Smileys können sich gegenseitig angucken und kommunizieren. Das ist so eine erste Möglichkeit, um einfach wieder den Club in das Gedächtnis der Leute zu rufen.«

    Die Kultur-Szene kriselt

    Auf den anfänglichen Schock – der gewohnte Abläufe unterbrach, Routinen in den Arbeits- und Geschäftsprozessen ins Leere laufen sowie Wissen und Nichtwissen zerfließen ließ – folgte der Gestaltungsmoment. Innerhalb des OKA bildete sich die sogenannte Struktur-Gruppe, die sich traf, um gemeinsam neue Konzepte zu finden: »Also John hat dieses Zoom-Meeting aufgemacht, und da haben wir gebrainstormt, was man in diesem Club alles machen kann. [...] Es wurde sich erst mal drauf konzentriert: Was machen die anderen? Und was können wir anbieten? Was ist alles möglich? Was gibt’s an Förderungen für uns?«

    Ungewisse Zukunft des Kultursektors

    Der zur Eindämmung der Corona-Pandemie einberufene Lockdown traf den noch jungen Club im Jahr 2020 im Kern des Geschäftsmodells. Veranstaltungen im Club waren nicht mehr möglich. »Am Anfang war es ein ganz schöner Schock« (Interview Sommer), schilderte meine Forschungspartnerin Wiete Sommer: »Bis die Clubs wieder öffnen können, das war schnell ersichtlich, wird ganz viel Zeit und Energie vergangen sein. [...] Und da ist die Frage natürlich: Wie kann sich ein Club in dieser Krise überhaupt am Leben halten, wenn er pro Monat 3.000 bis 4.000 Euro an Kaltmiete zahlen muss? Das muss ja alles reinkommen. Und der Club agiert einerseits als UG. Das heißt, dass er durch die Partys sehr viel Kohle und Geld generiert [...] und über den e. V. machen wir halt so ganz viele künstlerische Dinge.«

    Leere Tanzflächen und geschlossene Theater

    Das gesellschaftliche Leben ist vielerorts durch die Corona- Pandemie in kurzer Zeit auf den Kopf gestellt worden. Soziale Interaktionen, die zuvor essenzieller und mitunter existenzieller Bestandteil unserer Lebensgestaltungen waren, wurden plötzlich zu potenziellen Infektionsquellen. Was zuvor das Leben förderte, drohte nun mit Lebensgefahr, zumindest für einige Teile der Gesellschaft. Medial vielbeachtet waren die Probleme, welche auftraten für den wirtschaftlichen Teil unseres Zusammenlebens. Seine vermeintliche Abhängigkeit von Wachstum und Sachzwängen konnte plötzlich die tagtägliche Reproduktion nicht mehr wie selbstverständlich gewährleisten. Besonders betroffen und gefährdet waren und sind jene Sektoren, welche auf menschliche Nähe und Interaktion angewiesen sind. 
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